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Gestern war es soweit - Momentum09 ging an den Start, hier für alle
Zuhause-Gebliebenen ein kurzer Bericht zum ersten Abend. Grußworte sind
ja grundsätzlich ein notwendiges Übel, in Anbetracht dessen fielen sie
recht kurzweilig aus. Joe Weidenholzer freute sich sichtlich, eine bunte Mischung interessierter Menschen begrüßen zu dürfen. Bürgermeister Scheutz freute
sich über den Auftrittsapplaus (die SPÖ Hallstatt hat entgegen dem
Wahldebakel 8% auf 71% zugelegt) und verwies auf die widerständige
Seite des Salzkammerguts. Babara Blaha hielt in ihrer
Eröffnungsrede ein Plädoyer, dem Freiheitsbegriff auch in der
Sozialdemokratie wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken und stellte
einige Überlegungen an, was denn das konkret bedeuten würde.
Daran hat Isolde Charim (Wiener Philosophin und Publizistin) beinahe nahtlos mit der ersten Keynote-Präsentation angeschlossen: „Vielleicht
eröffnet sich da die Chance, den vielstrapazierten Freiheitsbegriff
zurückzuerobern, das heißt, ihn umzudeuten, neu aufzuladen. (…)
Aktivierung - nicht als sozialliberales Verdikt, sondern als
Beteiligungsformen, deren Fluchtpunkt nicht der Markt, sondern die
politische Gesellschaft ist. Chancen - nicht als Chancengleichheit, die
jeder realen Gleichheit Hohn spricht, sondern als tatsächliche
Chancengerechtigkeit. Freiheit, nicht als Freigesetzt-sein, sondern als
geschützter Freiraum, in dem sich der Einzelne entfalten kann.” (Hier die vollständige Rede)
Die zweite Keynote hielt Alois Guger (WIFO-Ökonom und Trackleiter),
er präsentierte Ergebnisse der jüngsten Umverteilungsstudie des WIFO.
Sein Fazit: In den letzten 10 Jahren haben sich die obersten 10% einen
größeren Anteil vom Kuchen gesichert, im Wesentlichen auf Kosten der
restlichen 90%. Der Sozialstaat trägt maßgeblich zur Umverteilung bei,
wobei hier im Wesentlichen die unteren 50% profitieren. Eine gleichere
Verteilung wird in Österreich ausschließlich durch die Staatsausgaben
erreicht, das Steuersystem trägt dazu wenig bei (verantwortlich dafür
sind die Konsumsteuern, die Ärmere härter treffen und die gedeckelten
Sozialversicherungsbeiträge). Interessant fand ich auch, dass die
Staatsausgaben für Bildung, Gesundheit und Familien im Wesentlichen
verteilungsneutral sind, während Wohnbeihilfe, Arbeitslosengeld und
Sozialhilfe zu einer Umverteilung nach unten beitragen. In den
Publikumsrunden wurden u.a. das bedinungslose Grundeinkommen
thematisiert - Isolde Charim erinnerte, dass die Einbettung der
Individuen keine rein ökonomische Frage ist, Alois Guger meinte, die
Gesellschaft sei dafür wahrscheinlich noch nicht reif genug und es
letztlich eine Machtfrage sei.
Ein Bericht über den ersten Track-Tag
folgt und die heutige Podiumsdiskussion mit Robert Misik (der das
Momentum09 lt. Facebook “ziemlich toll” findet) , Helene Schuberth und
Ulrich Brand folgt natürlich.
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